Fensterg'schichten zu Klara, Johannes und der Apokalypse

Bis zum Sommer liest Manfred Lautenschlager weitere Heiligenlegenden


Foto: Rieger

Die nächsten Termine sind am 20. Mai (Johannes, der Evangelist) und am 24. Juni (Apokalypse).

 

20. Mai, 18.00 Uhr ind er St. Martha Kirche

Johannes, der Evangelist, galt im Mittelalter auch als Verfasser der Apokalypse und in der Legende sogar als der Bräutigam auf der Hochzeit von Kanaan. Auf entsprechend vielen Szenen ist er von daher in den Fensterbildern der Marthakirche präsent: Mit Maria unter dem Kreuz, bei der Himmelfahrt und zu Pfingsten. Das zentrale Abendmahlsbild in St. Martha bricht jedoch mit der Tradition, die Johannes sonst an die Brust des Herrn gelehnt zeigt. >>mehr

 

24. Juni, 18.00 Uhr ind er St. Martha Kirche

Eine ikonographische Seltenheit bietet in der St. Marthakirche das Fenster zur Apokalypse. Hier werden die Schreckensbilder vor Augen geführt, die den Untergang der Welt vor dem Jüngsten Gericht zum Thema haben. Poetisch nacherzählt werden die einzelnen Szenen von Heinrich Hesler, der der franziskanischen Bewegung nahestand. >>mehr

 

Die Einladungstexte nochmal mit einer ausführlicheren Einleitung:

 

Johannes Evangelist (20. Mai)

Den Vorzug der besonderen Gottesnähe des Johannes unter den Aposteln bezeichnen die heute aus den Evangelien schon bekannten Szenen als Zeuge bei der Kreuzigung, wo ihm Maria als Mutter überantwortet wird, das Beisein zur Himmelfahrt und Pfingsten. Der bekannteste Gestus der Christusnähe findet sich in der Darstellung beim Abendmahl, wo Johannes an die linke Brust des Herrn sinkt – ein Gestus, den das zentrale Fenster in der Marthakirche jedoch nicht übernimmt. Anders in der Legende: Dort bekommt Johannes mit dem Ohr nah am Herzen des Heilands zu „hören“ worauf der große Heilsplan Gottes hinausläuft und was den weiteren Lauf der Geschichte bis zum Weltende ausmachen wird. Von daher wird der Evangelist mit dem Apokalyptiker gleichgesetzt, der vom Weltende zu künden vermag. Die bewegte Geschichte dieses Heiligen, die mit der Hochzeit von Kanaan beginnt, ist in der Fassung der Nürnberger Dominikaner eine Synopse vertrauter und ungewöhnlicher Ereignisse. 

[Marthakirche: Stromer-Fenster, 2. Register von unten, Kreuzigung rechts; Ottnandt-Fenster, oberstes Register neben dem Weltenrichter, u.a.] 

Apokalypse (24. Juni) 

Woran können wir erkennen, wann das Ende der Welt uns zukommt? Darüber berichtet das Buch der Apokalypse: Visionen, die sich dem Johannes während seines Aufenthalts auf der Insel Patmos eröffneten und eine Folge von endzeitlichen Katastrophen darstellen, die über Natur und alles Leben hereinbricht. Diese Sequenz von Schreckenstagen findet sich in einem Fenster der Marthakirche – eine ikonographische Seltenheit – komplett dargestellt, als Vorspiel zum sich anschließenden Fenster des Jüngsten Gerichts. Was sich in den einzelnen apokalyptischen Szenen hier ausgemalt findet, wird von Heinrich Hesler, einem Dichter des 13. Jahrhunderts, der der franziskanischen Bewegung nahestand, in bewegten Versen verdeutlicht. 

[Marthakirche: Rieter-Fenster]