Fensterg'schichten zu Franziskus, Klara, Johannes und der Apokalypse

Bis zum Sommer liest Manfred Lautenschlager weitere Heiligenlegenden


Foto: Rieger

Die erfolgreiche Reihe wird auch in 2026 fortgeführt - nun mit Heiligen, die in den Fenstern eher ein Schattendasein fristen, was ihrer Bedeutung sonst allerdings widerspricht. Und auch die Apokalypse - eine Besonderheit der Martha-Fenster wird besprochen.

25. März, 18.00 Uhr ind er St. Martha Kirche

Franziskus, reicher Eltern Sohn aus Assisi, wählte für sich den Weg radikaler Armut in der strengen Nachfolge Jesu. Sein erfolgreicher Bettelorden siedelte sich auch in Nürnberg zum Ende des 13. Jahrhunderts unterhalb der Lorenzkirche an: Ziel war die Unterstützung von Armen und Kranken in der heranwachsenden Stadt. Auch in der Hospizkirche St. Martha findet er sich in einem Fensterbild ins Heilsgeschehen inseriert. >>mehr

22. April, 18.00 Uhr in der St. Martha Kirche

Klara, vom Leben des Franziskus beeindruckt, gelang es eine Gruppe von Frauen in eine entsprechende Ordensgemeinschaft zu überführen; auch sie lebten nach dem Ideal größter Armut. Ihre Klarissen siedelten in Nürnberg direkt gegenüber der späteren Waldstromerstiftung St. Martha, ohne dass sie sich direkt am Dienst im Pilgerhospiz beteiligten. Ihre berühmteste Äbtissin war Caritas Pirckheimer. >>mehr

20. Mai, 18.00 Uhr ind er St. Martha Kirche

Johannes, der Evangelist, galt im Mittelalter auch als Verfasser der Apokalypse und in der Legende sogar als der Bräutigam auf der Hochzeit von Kanaan. Auf entsprechend vielen Szenen ist er von daher in den Fensterbildern der Marthakirche präsent: Mit Maria unter dem Kreuz, bei der Himmelfahrt und zu Pfingsten. Das zentrale Abendmahlsbild in St. Martha bricht jedoch mit der Tradition, die Johannes sonst an die Brust des Herrn gelehnt zeigt. >>mehr

24. Juni, 18.00 Uhr ind er St. Martha Kirche

Eine ikonographische Seltenheit bietet in der St. Marthakirche das Fenster zur Apokalypse. Hier werden die Schreckensbilder vor Augen geführt, die den Untergang der Welt vor dem Jüngsten Gericht zum Thema haben. Poetisch nacherzählt werden die einzelnen Szenen von Heinrich Hesler, der der franziskanischen Bewegung nahestand. >>mehr

Die Einladungstexte nochmal mit einer ausführlicheren Einleitung:

Franziskus (25. März)

Der Bettelorden der Franziskaner hat sich am Abhang zur Pegnitz unterhalb der Lorenzkirche mit einem eigenen Konventsgebäude zum Ende des 13. Jahrhunderts etabliert – bereits wenige Jahrzehnte nach dem Hinscheiden des Ordensgründers, dem Heiligen Franz von Assisi. Als Sohn aus begütertem Kaufmannshause brach er radikal mit allen Konventionen einer mit Reichtum ausgestatteten Welt und vermählte sich mit der Armut, oder wie es in der Nürnberger Legende heißt: „er hieß dy armut sein frawn“. Dabei setzte er sich mit seinen Ordensbrüdern auch konsequent für die Versorgung der Bedürftigen und Kranken in den sich jetzt vergrößernden Stadtsiedlungen ein. Von daher findet sich Franziskus auch in der Hospizkirche St. Martha im Kanon der Heiligen in den Fenstern aufgenommen: Auch in diesem Raum fanden Pilger – darunter Kranke, die auf Heilung hofften – Aufnahme, Zuwendung und Pflege. Im Legendar der Nürnberger Dominikaner wird das Leben dieses großen, innovativen Ordensmannes, der ein christgerechtes Leben suchte und dies für die Armen fruchtbar machte, in einfacher und lebendiger Sprache vorgestellt. 

[Marthakirche: aus dem Obergaden versetzt ins Behaim-Fenster, unteres Register links] 

 

Klara (22. April)

Schon gut 100 Jahre vor der Waldstromerstiftung von St. Martha befand sich – wie heute noch in unmittelbarer Nachbarschaft – die Klarakirche mit den sie umgebenden Konvents-Gebäuden. Etwa zeitgleich mit der Ankunft und dem Ordensbau der Nürnberger Franziskaner nahm die Gemeinschaft von Magdalenerinnen die Regel der Klarissen an, die sich am Armutsideal ihrer Ordensgründerin orientierten: Franziskus hatte Klara in seiner Heimatstadt Assisi zu seiner neuen Lebensform bekehrt und sie zur Gründung einer eigenen Gemeinschaft von Frauen geführt und unterstützt. Dieser Lebensweg wird in der Nürnberger Legende der Klara nachgezeichnet. Ihre vielfältigen Wunderheilungen empfahlen sie auch zur Aufnahme in den Zyklus der Heiligengalerie in der benachbarten Hospizkirche St. Martha – auch wenn die Klarissen selbst in strenger Klausur lebend sich nicht unmittelbar in den Dienst der Armenversorgung und Krankenpflege zu stellen vermochten. Die heute noch berühmteste Äbtissin der Nürnberger Klarissen war Caritas, die Schwester des Patriziers Willibald Pirckheimer. 

[Marthakirche: aus dem Obergaden versetzt ins Martha-Fenster, unteres Register rechts] 

 

Johannes Evangelist (20. Mai)

Den Vorzug der besonderen Gottesnähe des Johannes unter den Aposteln bezeichnen die heute aus den Evangelien schon bekannten Szenen als Zeuge bei der Kreuzigung, wo ihm Maria als Mutter überantwortet wird, das Beisein zur Himmelfahrt und Pfingsten. Der bekannteste Gestus der Christusnähe findet sich in der Darstellung beim Abendmahl, wo Johannes an die linke Brust des Herrn sinkt – ein Gestus, den das zentrale Fenster in der Marthakirche jedoch nicht übernimmt. Anders in der Legende: Dort bekommt Johannes mit dem Ohr nah am Herzen des Heilands zu „hören“ worauf der große Heilsplan Gottes hinausläuft und was den weiteren Lauf der Geschichte bis zum Weltende ausmachen wird. Von daher wird der Evangelist mit dem Apokalyptiker gleichgesetzt, der vom Weltende zu künden vermag. Die bewegte Geschichte dieses Heiligen, die mit der Hochzeit von Kanaan beginnt, ist in der Fassung der Nürnberger Dominikaner eine Synopse vertrauter und ungewöhnlicher Ereignisse. 

[Marthakirche: Stromer-Fenster, 2. Register von unten, Kreuzigung rechts; Ottnandt-Fenster, oberstes Register neben dem Weltenrichter, u.a.] 

 

Apokalypse (24. Juni) 

Woran können wir erkennen, wann das Ende der Welt uns zukommt? Darüber berichtet das Buch der Apokalypse: Visionen, die sich dem Johannes während seines Aufenthalts auf der Insel Patmos eröffneten und eine Folge von endzeitlichen Katastrophen darstellen, die über Natur und alles Leben hereinbricht. Diese Sequenz von Schreckenstagen findet sich in einem Fenster der Marthakirche – eine ikonographische Seltenheit – komplett dargestellt, als Vorspiel zum sich anschließenden Fenster des Jüngsten Gerichts. Was sich in den einzelnen apokalyptischen Szenen hier ausgemalt findet, wird von Heinrich Hesler, einem Dichter des 13. Jahrhunderts, der der franziskanischen Bewegung nahestand, in bewegten Versen verdeutlicht. 

[Marthakirche: Rieter-Fenster]